Psychologisches Institut der Universität Zürich
Abteilung Klinische Psychologie I, Prof. Dr. Brigitte Boothe

Auszüge aus einer Lizenziatsarbeit der Philosophischen Fakultät der Universität Zürich

Verfasser: Roland Gasser

Erzählmuster in der Psychotherapie: Eine qualitative Untersuchung von Erzählungen aus psychotherapeutischen Gesprächen

Zusammenfassung

An der Abteilung klinische Psychologie I des psychologischen Instituts liegen 347 Erzählungen von Psychotherapie-Patienten vor, die nach den Kriterien der Erzählanalyse JAKOB aus Ge-sprächstranskripten extrahiert wurden. Es stellte sich die Frage nach einer Typologisierung und Archivierung dieser Erzählungen. Nach den Methoden der 'grounded theory' und mit Hilfe des Computerprogramms 'Atlas-Ti' konnte ein Verfahren zur Kategorisierung von Alltags-Erzählungen entwickelt werden. Die Erzählungen wurden 24 Kategorien zugeordnet. Diese repräsentieren Erzählmuster, welche durch Kombinationen von Merkmalsausprägungen definiert sind. Die Merkmale sind: persönlich/öffentlich, konstruktiv/destruktiv, aktiv/passiv und positiv/negativ/null. 91% der Erzählungen konnten mit diesem Schema kategorisiert werden. Es ergab sich in Bezug auf die Merkmale folgendes Bild: 62% der Erzählungen handeln von eher persönlichen Themen, 38% von eher öffentlichen. 35% schildern im Grunde genommen konstruktive Ereignisse, 65% destruktive. Bei 40% der Erzählungen nimmt die Ich-Erzählperson aktiv eine Position zu Beginn der Handlung ein. Bei 60% der Erzählungen findet sich die Ich-Erzählperson zu Beginn der Handlung in eine Position gedrängt. Etwa bei der Hälfte der Erzählungen (47%) verändert sich die Position der Ich-Erzählperson während der geschilderten Geschehnisse, bei der anderen Hälfte (53%) bleibt es bei der zu Beginn beschriebenen Position. Bei 27% der Erzählungen verändert sich die Position der Ich-Erzählperson zu deren Gunsten, bei 20% zu deren Ungunsten. Die Erzählmuster-Häufigkeiten zeigen eine unregelmässige Verteilung. Am häufigsten erscheint das Erzählmuster 'Kränkung' mit 13%. Die zehn häufigsten Erzählmuster sind: 'Kränkung', 'Schuld', 'Aufbruch', 'Ablehnung', 'Kränkung überwunden', 'Beschenkung', 'Ablehnung mit negativen Folgen', 'Wiedergutmachung', 'Gewinnergeschichte' und 'Verlierergeschichte'. Sie decken 69% der Erzählungen ab, für die 14 seltenen Erzählmuster bleiben 31% al-ler Erzählungen. Die Häufigkeitsverteilung der Erzählmuster bleibt einigermassen konstant über verschiedene Stichproben-Teile. Die Erzählmuster-Häufigkeitsverteilungen der einzelnen Erzähler (Total 15) unterscheiden sich teilweise: Von sieben ausführlicher betrachteten ErzählerInnen fallen zwei auf: Eine Erzählerin hat im Vergleich zu den fünf anderen einen 'umgekehrten' Erzählstil und ein Erzähler einen 'gleichmässigen'. Ein Manual zur entwickelten Methode wurde erstellt.

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Auszüge aus der Lizenziatsarbeit "Erzählmuster in der Psychotherapie" der Philosophischen Fakultät der Universität Zürich, copyright by Roland Gasser