Kreditkarten, Märkte und Diskriminierung
Im iTunes-Store wollte ich mir Musik kaufen – und stellte dabei fest, dass das Album, welches ich kaufen wollte, in den USA 9.99 Dollar kostet, in der Schweiz jedoch 17.00 Franken. Für 17 Franken erhält man zum heutigen Datum über 20 Dollar, das wäre dann ein Preisaufschlag von 100% für die Schweizer Konsumenten (vor einem Jahr wären es “nur” 15 Dollar gewesen, also 50%).
Beim Versuch, mit meiner Kreditkarte einen neuen, kanadischen iTunes Account zu erstellen, um doch noch zu preiswerter Musik zu kommen, erlebte ich eine Überraschung: Das System erkennt meine Kreditkarte als Schweizerische. Mit einer Schweizer Kreditkarte kann ich also nur im Schweizer iTunes Store einkaufen, zu Schweizer Preisen also. Bezahlen ohne Kreditkarte ist nicht möglich.
Die “Nationalisierung” der Kunden über ihre Kreditkarten erlaubt Apple eine auf nationalen Territorien basierte Preisgestaltung. Das ist für das Unternehmen höchst attraktiv, denn damit kann ohne Probleme ein “value pricing” aufrecht erhalten werden (Konkurrenz gibt es ja in den meisten Ländern kaum).
Beim Versuch, eine kanadische Kreditkarte zu bestellen – um das System zu umgehen – kam dann die nächste Überraschung: Es ist nicht möglich, ohne Bürgerrecht oder Niederlassung im Land eine Kreditkarte zu beantragen. Damit sind alle Einwanderer oder temporär ansässigen Aufenthalter ohne diesen Status vom Kreditkarten-System ausgeschlossen. D.h. nicht nur vom iTunes-Store, sondern grösstenteils auch vom Auto-Mieten, Online einkaufen etc.
Fazit: Das internationale Kreditkarten-System reproduziert Nationalität und diskriminiert damit Migrantinnen und Migranten. Es verhindert transnationalen Wettbewerb und ermöglicht das Abschöpfen von (lokalen) Monopolgewinnen für Unternehmen wie Apple. Das Kreditkarten-System erfüllt alle Kriterien eines Dispositivs (im Foucaultschen Sinn) zur strategischen Kontrolle und Regelung des (Konsum-)Verhaltens. Ein Dispositiv ist ein “zwischen heterogenen Elementen gespanntes Netz, das u.a. aus Diskursen, Institutionen und Gesetzen besteht, und das in einem Machtspiel eine ausgeprägte strategische Funktion einnimmt (vgl. Giorgio Agamben, “What is an Apparatus?”, 2009, p. 3)”. Ich wusste ja schon, dass die freie Marktwirschaft nicht ganz so frei ist wie manche Ökonomen uns weismachen möchten.
